Wenn ein Weichgewebesarkom bereits Metastasen gebildet hat, befindet sich die Erkrankung meist in einer fortgeschrittenen Situation. Eine Chemotherapie wird dann häufig nicht mehr mit dem Ziel eingesetzt, die Erkrankung vollständig zu heilen. Vielmehr geht es darum, das Wachstum der Erkrankung zu bremsen, Beschwerden zu verhindern oder zu lindern und möglichst viel gute Lebenszeit zu erhalten.
In dieser Situation spricht man von einer palliativen Therapie. Das bedeutet nicht, dass „nichts mehr getan werden kann“. Im Gegenteil: Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die individuell ausgewählt und im Verlauf immer wieder überprüft und angepasst werden können. Besonders wichtig ist dabei die Lebensqualität der Patienten.
Dr. med. Marit Ahrens
Leitung der Ambulanz Hämatologie & Onkologie am Universitätsklinikum Frankfurt
Karin Strube
Mitgründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Strube Stiftung
Metastasen sind Absiedlungen eines ursprünglichen Tumors an anderen Stellen im Körper. Der Ursprungstumor sitzt also an einer bestimmten Stelle, Tumorzellen können sich aber von dort lösen und in andere Körperregionen gelangen.
Bei Weichgewebesarkomen entstehen Metastasen besonders häufig in der Lunge. Seltener können auch andere Organe betroffen sein, zum Beispiel die Leber oder die Knochen.
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Mehr InformationenDie Ausbreitung geschieht bei Weichgewebesarkomen überwiegend über das Blut. Der Tumor ist durchblutet, und über die Blutgefäße können Tumorzellen in den Körperkreislauf gelangen. Auf diesem Weg können sie an andere Stellen des Körpers geschwemmt werden und dort Metastasen bilden.
Seltener breiten sich Sarkome über die Lymphwege aus. Dann können Lymphknoten betroffen sein. Häufig sind zunächst Lymphknoten in der Nähe des Ursprungstumors betroffen, grundsätzlich können Lymphknoten aber auch an anderen Stellen im Körper befallen werden.
Metastasen sind wichtig, weil sie zeigen, dass sich die Erkrankung über den ursprünglichen Tumor hinaus ausgebreitet hat. Dadurch verändert sich die Behandlungsstrategie.
Wenn eine Heilung nicht mehr realistisch möglich ist, verschiebt sich der Schwerpunkt der Therapie. Dann stehen vor allem folgende Ziele im Vordergrund: Die Erkrankung soll möglichst lange kontrolliert werden. Beschwerden durch den Tumor oder durch Metastasen sollen verhindert oder verringert werden. Gleichzeitig soll der Patient möglichst lange eine gute Lebensqualität behalten.
Metastasen können Beschwerden verursachen, wenn sie ungünstig liegen. Befinden sie sich zum Beispiel in der Nähe von Nerven, können Schmerzen entstehen. Liegen sie in der Nähe wichtiger Organe, können sie deren Funktion beeinträchtigen oder andere Probleme verursachen. Eine Chemotherapie kann helfen, das Wachstum der Erkrankung zu bremsen. Im besten Fall verkleinern sich Tumoranteile oder Metastasen zumindest vorübergehend.
In der palliativen Situation wird eine Chemotherapie dann empfohlen, wenn es sich um eine Erkrankung handelt, die grundsätzlich auf Chemotherapie ansprechen kann. Man spricht dann von einer chemotherapie-sensiblen Erkrankung.
Das Ziel ist nicht nur, Lebenszeit zu gewinnen. Diese Zeit soll auch möglichst gut sein. Deshalb spielt die Abwägung zwischen Nutzen und Nebenwirkungen eine besonders große Rolle.
Eine Therapie soll die Belastung durch die Erkrankung reduzieren. Sie sollte aber nicht selbst zu einer zusätzlichen, unverhältnismäßigen Belastung werden. Deshalb wird immer wieder geprüft, was einem Patienten zugemutet werden kann und was nicht.
Im Idealfall ermöglicht die Behandlung, dass Patienten möglichst lange aktiv am Alltag teilnehmen können – ohne größere Einschränkungen durch die Erkrankung oder durch die Therapie.
Die Behandlung eines metastasierten Weichgewebesarkoms wird individuell geplant. Dabei spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle.
Zunächst ist entscheidend, um welchen Sarkom-Subtyp es sich handelt. Es gibt viele verschiedene Formen von Sarkomen. Die genaue Diagnose wird durch die Pathologie gestellt. Sie zeigt, mit welcher Art von Sarkom man es zu tun hat.
Wichtig ist außerdem das Grading. Es beschreibt, wie aggressiv die Erkrankung ist.
Auch das Wachstumstempo der Erkrankung wird berücksichtigt: Wächst der Tumor langsam oder sehr schnell? Ebenso spielt eine Rolle, wo sich Tumor und Metastasen befinden und ob sie bereits Beschwerden verursachen oder wichtige Strukturen gefährden.
Auch frühere Behandlungen sind wichtig. Wurde bereits operiert, bestrahlt oder mit Medikamenten behandelt? Welche Therapien wurden gut vertragen, welche nicht?
Schließlich wird immer der Patient als ganze Person betrachtet. Dazu gehören Vorerkrankungen, Begleitmedikamente, das Lebensalter, der Allgemeinzustand und persönliche Wünsche. All diese Punkte beeinflussen, welche Therapie sinnvoll und machbar ist.
Bei der Chemotherapie stellt sich häufig die Frage, ob ein einzelnes Medikament ausreicht oder ob mehrere Medikamente kombiniert werden sollen.
Ein klassisches Medikament in der Erstbehandlung von Weichgewebesarkomen ist Doxorubicin. Es gehört zu den sogenannten Anthrazyklinen. Aus Studien weiß man, dass eine Kombination von Doxorubicin mit einem weiteren Medikament nicht automatisch die Prognose verbessert. Häufig führt eine Kombination aber zu mehr Nebenwirkungen.
Trotzdem kann eine Kombination in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Das gilt zum Beispiel, wenn der Tumor oder die Metastasen Beschwerden verursachen oder sehr ungünstig liegen. Dann kann es wichtig sein, nicht nur ein Stillhalten der Erkrankung zu erreichen, sondern möglichst eine sichtbare Verkleinerung. Die Chance auf eine Verkleinerung kann durch eine Kombinationstherapie höher sein.
Diese Entscheidung ist immer eine Abwägung: Eine stärkere Therapie kann kurzfristig mehr Wirkung zeigen, bringt aber oft auch mehr Nebenwirkungen mit sich.
Die Dauer der Behandlung hängt von der jeweiligen Situation und vom eingesetzten Medikament ab.
Bei der Erstbehandlung wird häufig Doxorubicin eingesetzt. Dieses Medikament kann jedoch nicht unbegrenzt gegeben werden. Mit zunehmender Gesamtdosis steigt das Risiko für Probleme am Herzmuskel. Deshalb muss die Behandlung nach einer bestimmten Zeit beendet werden, um den Patienten nicht zu gefährden.
Bisher war es häufig so, dass man nach dem Ende einer solchen Erstbehandlung zunächst abgewartet und regelmäßig kontrolliert hat. Erst wenn die Erkrankung wieder gewachsen ist, wurde erneut eine Behandlung begonnen.
Heute wird zunehmend auch über sogenannte Erhaltungstherapien gesprochen. Man verwendet dafür auch den englischen Begriff „Maintenance-Therapie“. Damit sind Behandlungen gemeint, die über längere Zeit fortgeführt werden, um die Erkrankung stabil zu halten.
Ab der Zweitbehandlung ist eine solche längerfristige Therapie bei bestimmten Medikamenten (zum Beispiel Trabectedin, Pazopanib und Eribuli) bereits üblich. Diese Medikamente werden häufig so lange gegeben, bis die Erkrankung trotz Behandlung wieder schlechter wird oder bis Nebenwirkungen eine Änderung notwendig machen.
Das bedeutet: In vielen Fällen handelt es sich tatsächlich um eine dauerhafte Behandlung. Umso wichtiger ist es, Nebenwirkungen gut zu begleiten und die Lebensqualität immer im Blick zu behalten.
Eine Chemotherapie wird nicht einfach begonnen und dann unverändert weitergeführt. Es muss regelmäßig überprüft werden, ob die Behandlung sinnvoll ist und ob sie gut vertragen wird.
In bestimmten Abständen werden bildgebende Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören vor allem die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT). Mit diesen Untersuchungen wird geprüft, ob neue Metastasen entstanden sind, ob bestehende Metastasen wachsen oder ob die Erkrankung stabil bleibt.
Häufig erfolgen Kontrollen nach zwei bis drei Behandlungszyklen oder spätestens nach einigen Monaten. Der genaue Abstand kann je nach Therapie, Erkrankungsverlauf und Patientensituation unterschiedlich sein.
Zusätzlich kommen Patienten regelmäßig zu Blutbildkontrollen und Verlaufsgesprächen. Dabei wird besprochen, wie die Therapie vertragen wird, ob Nebenwirkungen aufgetreten sind und ob unterstützende Medikamente angepasst werden müssen.
Patienten mit Sarkomen sollten an einem Sarkomzentrum beraten werden. Dort besteht besondere Erfahrung mit diesen seltenen Tumorerkrankungen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass jede einzelne Behandlung auch im Sarkomzentrum stattfinden muss. Gerade in der palliativen Situation können regelmäßige weite Anfahrten sehr belastend sein. Wenn Patienten mehrere hundert Kilometer entfernt wohnen oder sich körperlich nicht gut fühlen, kann eine dauerhafte Behandlung im Zentrum schwierig sein.
Ein sinnvoller Weg kann deshalb sein: Die Therapie wird in einem Sarkomzentrum besprochen und geplant. Die praktische Durchführung erfolgt dann wohnortnah bei einer onkologischen Praxis oder Klinik. Wichtig ist dabei eine enge Abstimmung zwischen dem behandelnden Onkologen vor Ort und dem Sarkomzentrum.
Fachärzte können sich untereinander austauschen, zum Beispiel telefonisch oder per E-Mail. Dabei kann geklärt werden, welche Behandlung empfohlen wird, ob sie vor Ort gut durchgeführt werden kann und wann eine erneute Vorstellung im Zentrum sinnvoll ist.
Eine reine Beratung aus der Ferne hat Grenzen. Befunde und Arztbriefe sind wichtig, aber sie zeigen nicht die ganze Situation. Hinter jedem Befund steht ein individueller Mensch mit einer eigenen Krankengeschichte, einem eigenen Allgemeinzustand und persönlichen Bedürfnissen.
Deshalb ist es wichtig, dass Patienten zumindest einmal persönlich in einem Sarkomzentrum gesehen werden. Wenn sich die Erkrankung verändert oder neue Fragen entstehen, kann auch eine erneute Vorstellung sinnvoll sein.
Nicht alles lässt sich seriös allein telefonisch oder schriftlich entscheiden. Gerade bei komplexen Situationen ist der persönliche Eindruck wichtig.
Ja. Auch in der palliativen Situation gibt es oft verschiedene Möglichkeiten, eine Therapie anzupassen.
Wenn eine Erkrankung unter einer Behandlung fortschreitet, kann ein Wechsel des Medikaments sinnvoll sein. Wenn eine Therapie grundsätzlich wirkt, aber schlecht vertragen wird, kann man über eine Dosisanpassung nachdenken. Auch Begleitmedikamente können verändert werden, um Nebenwirkungen besser zu kontrollieren.
Die Möglichkeiten sind zwar nicht unbegrenzt, aber es gibt verschiedene Medikamente und Strategien, die im Verlauf eingesetzt werden können. Deshalb ist eine Verschlechterung unter einer Therapie nicht automatisch gleichbedeutend mit dem Ende aller Behandlungsmöglichkeiten.
Wichtig ist, die Situation neu zu bewerten und gemeinsam zu besprechen, welcher nächste Schritt sinnvoll ist.
In der Onkologie wird häufig von Therapielinien gesprochen. Die Erstlinie ist die erste medikamentöse Behandlung einer fortgeschrittenen oder metastasierten Erkrankung. Wenn diese Behandlung nicht mehr wirkt oder nicht mehr vertragen wird, kann eine Zweitlinie folgen. Danach können weitere Therapielinien möglich sein.
Für Patienten kann dieser Begriff ungewohnt oder verwirrend sein. Im Gespräch steht deshalb meist zunächst die aktuell anstehende Behandlung im Vordergrund: Warum wird genau diese Therapie empfohlen? Was soll sie erreichen? Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Gleichzeitig ist wichtig zu wissen: Wenn eine Behandlung irgendwann nicht mehr ausreicht, gibt es häufig noch weitere Optionen. Diese werden dann besprochen, wenn sie tatsächlich relevant werden. Zu viele Details über spätere mögliche Behandlungen können am Anfang eher überfordern.
Auch wenn Metastasen vorhanden sind, können lokale Maßnahmen manchmal sinnvoll sein. Dazu gehören zum Beispiel Operationen oder Bestrahlungen einzelner Metastasen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass grundsätzlich jede Metastase entfernt werden sollte. Entscheidend ist, ob der Patient von einer solchen Maßnahme wirklich profitiert.
Ein Beispiel: Ein Patient hat viele Metastasen, die nicht alle gezielt entfernt werden können. Eine einzelne Metastase liegt aber besonders ungünstig und droht Beschwerden zu verursachen, etwa weil sie in der Nähe wichtiger Strukturen sitzt. Dann kann es sinnvoll sein, genau diese Stelle gezielt zu bestrahlen oder operativ zu behandeln, während die medikamentöse Therapie für die übrige Erkrankung weiterläuft.
Ein anderes Beispiel sind Patienten mit wenigen, langsam wachsenden Metastasen. Wenn die Erkrankung über längere Zeit stabil bleibt und keine ständig neuen Metastasen entstehen, kann eine gezielte Behandlung einzelner Metastasen sinnvoll sein. Dadurch können manchmal therapiefreie Zeiten gewonnen oder sichtbare Tumorstellen gezielt behandelt werden.
Der Begriff Oligometastasierung beschreibt eine Situation, in der nur wenige Metastasen vorhanden sind. Häufig sind diese auf ein Organ begrenzt. Eine ganz feste Zahl wurde im Gespräch nicht genannt. Gemeint ist vor allem eine begrenzte Anzahl von Metastasen, die über einen längeren Zeitraum stabil bleibt.
In solchen Situationen kann es sinnvoll sein, zusätzlich zur Chemotherapie über Operation oder Bestrahlung nachzudenken. Besonders dann, wenn die Erkrankung langsam verläuft und unter Therapie stabil ist, können Patienten von solchen gezielten Maßnahmen profitieren.
Anders ist es, wenn in kurzen Abständen immer wieder neue Metastasen entstehen oder mehrere Organsysteme betroffen sind. Dann würde man mit Operationen oder Bestrahlungen der Erkrankung nur hinterherlaufen. Wiederholte Eingriffe alle paar Monate wären für den Patienten belastend und hätten in einer solchen Situation keinen ausreichenden Nutzen.
Deshalb ist es wichtig, nicht nur zu fragen, ob man Metastasen technisch entfernen könnte. Entscheidend ist, ob dies medizinisch sinnvoll ist und dem Patienten wirklich hilft.
Eine metastasierte Sarkomerkrankung betrifft nicht nur den Tumor. Sie betrifft den ganzen Menschen und oft auch die Familie, den Beruf und den Alltag. Deshalb können neben der onkologischen Behandlung weitere Unterstützungsangebote sehr hilfreich sein.
Dazu gehört zum Beispiel eine psychoonkologische oder psychotherapeutische Begleitung. Sie kann helfen, mit Ängsten, Belastungen und Unsicherheiten besser umzugehen.
Auch sportmedizinische Beratung kann sinnvoll sein. Dabei geht es um die Frage, welche Bewegung während einer Behandlung möglich und hilfreich ist.
Ein weiteres wichtiges Thema ist Ernährung. Ernährungsteams können Patienten beraten, wenn es Fragen zu Gewicht, Appetit, Kraft, Verträglichkeit oder Ernährung während der Therapie gibt.
Sehr wichtig ist außerdem der Sozialdienst. Dort geht es unter anderem um Fragen zur beruflichen Situation, zur finanziellen Absicherung, zum Grad der Behinderung und zu weiteren sozialrechtlichen Themen. Viele Patienten sind zum Zeitpunkt der Erkrankung noch berufstätig und benötigen hier frühzeitig gute Beratung.
Solche Angebote werden nicht immer direkt zu Beginn gebraucht. Manchmal entsteht der Bedarf erst im Verlauf der Erkrankung. Wichtig ist: Patienten dürfen und sollten diese Hilfen in Anspruch nehmen, wenn sie Unterstützung brauchen.
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