Stark wirksame Schmerzmedikamente wie Opioide spielen in der Krebsmedizin eine wichtige Rolle. Gleichzeitig haben viele Patienten Sorge vor möglichen Nebenwirkungen oder davor, von diesen Medikamenten abhängig zu werden.
Prof. Dr. med. Bernd Alt-Epping
Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie & Onkologie, Palliativmedizin, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie
Karin Strube
Mitgründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Strube Stiftung
Laut Professor Alt-Epping, ärztlicher Direktor der Klinik für Palliativmedizin in Heidelberg, ist es entscheidend, dass eine Schmerztherapie mit Opioiden ärztlich begleitet und regelmäßig überprüft wird. Dabei geht es nicht nur darum, ob die Schmerzen ausreichend gelindert werden, sondern auch darum, mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
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Mehr InformationenBeim Einsatz von Opioiden in der Krebsmedizin handelt es sich um eine ärztlich gesteuerte Behandlung in einer konkreten Erkrankungssituation. Die Schmerztherapie wird ebenso überwacht wie andere Behandlungen im Rahmen einer Krebserkrankung.
Wenn der Grund für die Schmerzbehandlung entfällt oder weniger Schmerzmittel benötigt werden, wird auch die Medikation entsprechend angepasst.
Dabei ist es wichtig, zwischen einer körperlichen und einer psychischen Abhängigkeit zu unterscheiden.
Wer Opioide über längere Zeit und in ausreichender Dosierung einnimmt, kann sich körperlich an diese Medikamente gewöhnen. Das bedeutet, dass die Medikamente nicht von einem Tag auf den anderen vollständig abgesetzt werden dürfen.
Ein plötzliches Absetzen kann zu Entzugserscheinungen führen. Deshalb werden Opioide bei Bedarf schrittweise reduziert beziehungsweise „ausgeschlichen“. Dieses Vorgehen ist nicht auf Opioide beschränkt. Auch andere Medikamente müssen nach längerer Einnahme langsam und ärztlich begleitet reduziert werden.
Gerade bei Menschen mit einer Krebserkrankung und insbesondere in einer palliativen Situation spielt die Sorge vor einer möglichen Abhängigkeit im Vergleich zu einer wirksamen Behandlung der Schmerzen eine untergeordnete Rolle.
Patienten, die Opioide erhalten, werden mit der Behandlung nicht allein gelassen. Die Schmerztherapie wird ärztlich begleitet und regelmäßig überprüft.
Stark wirksame Opioide unterliegen darüber hinaus besonderen gesetzlichen Regelungen. Sie werden über sogenannte Betäubungsmittelrezepte verordnet und über Apotheken abgegeben. Dies stellt einen zusätzlichen Sicherheitsmechanismus dar.
Die ärztliche Betreuung ist dabei ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Dazu gehört sowohl die Kontrolle der Wirkung als auch die Beobachtung möglicher Nebenwirkungen.
Gerade zu Beginn einer Behandlung mit morphinartigen Schmerzmitteln kann Müdigkeit oder Benommenheit auftreten. Dies betrifft insbesondere Menschen, die zuvor noch keine entsprechenden Medikamente eingenommen haben.
In den ersten zwei bis drei Tagen können Betroffene deshalb beispielsweise etwas müder sein oder sich in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt fühlen. In manchen Fällen kann diese Phase auch etwas länger dauern. In der Regel lässt diese anfängliche Müdigkeit jedoch wieder nach, sobald sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat. Häufig verschwinden diese Beschwerden innerhalb weniger Tage, manchmal innerhalb etwa einer Woche.
Eine solche vorübergehende Müdigkeit bedeutet daher nicht automatisch, dass Patienten während der gesamten Behandlung dauerhaft benommen bleiben.
Neben Müdigkeit können insbesondere zu Beginn der Behandlung weitere Nebenwirkungen auftreten.
In der Anfangsphase kann es zu Übelkeit kommen. Auch diese bessert sich häufig, wenn sich der Körper an die Behandlung gewöhnt hat. Falls erforderlich, können für einige Tage zusätzlich Medikamente gegen Übelkeit eingesetzt werden.
Eine weitere Nebenwirkung von Opioiden ist die Verstopfung. Anders als Müdigkeit oder Übelkeit verschwindet sie häufig nicht nach einigen Tagen. Deshalb sollte während der gesamten Behandlung darauf geachtet werden, dass regelmäßig Stuhlgang möglich ist.
Bei Menschen mit Krebs ist dies besonders wichtig, weil zusätzlich zur Schmerzmedikation noch andere Ursachen für eine Verstopfung bestehen können. Opioide können dieses Problem verstärken. Falls notwendig, werden deshalb begleitend Abführmittel eingesetzt.
Eine gute Schmerztherapie lebt von einem regelmäßigen Austausch zwischen Patienten und dem behandelnden Team. Dabei sollte nicht nur darüber gesprochen werden, wie stark die Schmerzen noch sind. Ebenso wichtig ist die Frage, ob Nebenwirkungen auftreten.
Bestimmte Beschwerden bringen Patienten möglicherweise zunächst gar nicht mit dem Schmerzmittel in Verbindung. Ein Beispiel dafür ist die Verstopfung. Deshalb gehört es zur ärztlichen Betreuung, typische Nebenwirkungen gezielt abzufragen. Auf diese Weise können Beschwerden früh erkannt und behandelt werden.
Ziel einer Schmerztherapie bei Krebs ist es, die Erkrankungs- und Behandlungssituation für Betroffene möglichst gut erträglich zu machen. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass jederzeit vollständige Schmerzfreiheit erreicht wird.
Eine Krebserkrankung und ihre Behandlung können sehr komplex sein. Manche Belastungen lassen sich nicht vollständig beseitigen. Gleichzeitig kann eine immer weitere Steigerung der Schmerzmedikation wiederum zusätzliche Nebenwirkungen und Belastungen verursachen. Deshalb muss individuell abgewogen werden, welche Behandlung für den jeweiligen Patienten sinnvoll ist.
Wichtige Fragen sind dabei beispielsweise:
Das Ziel besteht darin, die Schmerzen so weit zu lindern, dass sie das tägliche Leben möglichst wenig beeinträchtigen.
Auch wenn völlige Schmerzfreiheit nicht in jeder Situation erreicht werden kann, ist sie durchaus möglich. Hat beispielsweise ein Mensch mit einer Krebserkrankung im Bauchraum starke Bauchschmerzen, kann eine wirksame Schmerzmedikation dazu führen, dass diese Beschwerden vollständig verschwinden.
Die Schmerztherapie wird deshalb individuell angepasst. Entscheidend ist nicht ein bestimmter Zahlenwert auf einer Schmerzskala, sondern wie stark die Schmerzen und ihre Behandlung den einzelnen Menschen tatsächlich belasten.
Die Möglichkeiten der Schmerztherapie haben sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich erweitert. Dies betrifft zum einen die Auswahl der verfügbaren Medikamente. Zum anderen haben sich die Strukturen der medizinischen Versorgung weiterentwickelt.
Eine grundlegende Erfahrung mit der Behandlung von Schmerzen besteht sowohl in der Onkologie als auch in hausärztlichen Praxen. Bei schwierigeren Schmerzsituationen können zusätzliche Spezialisten hinzugezogen werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Dadurch stehen heute wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um Schmerzen bei einer Krebserkrankung gezielt zu behandeln.
Bei der Behandlung von Krebsschmerzen geht es nicht darum, möglichst viele Medikamente einzusetzen. Entscheidend ist vielmehr eine individuell abgestimmte Therapie.
Dabei werden Wirkung und Nebenwirkungen regelmäßig gegeneinander abgewogen. Medikamente können angepasst, ergänzt oder – wenn sie nicht mehr benötigt werden – schrittweise reduziert werden.
Eine wirksame Schmerztherapie sollte deshalb immer ärztlich begleitet werden. Ziel ist es, Schmerzen so weit wie möglich zu lindern und gleichzeitig darauf zu achten, dass die Behandlung selbst die Patienten nicht unnötig belastet.
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