Professor Alt-Epping, ärztlicher Direktor an der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, erläutert, dass Schmerzen zu häufigen Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung gehören. Sie können durch den Tumor selbst entstehen, durch Metastasen, durch Krebstherapien oder durch andere Erkrankungen, die zusätzlich auftreten. Auch Beschwerden, die unabhängig von der Krebserkrankung bestehen, zum Beispiel Rücken- oder Hüftschmerzen im höheren Alter, können hinzukommen.
Prof. Dr. med. Bernd Alt-Epping
Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie & Onkologie, Palliativmedizin, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie
Karin Strube
Mitgründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Strube Stiftung
Wichtig ist: Schmerzen sind nicht nur belastend, sondern liefern auch Informationen. Sie können Hinweise darauf geben, wo im Körper ein Problem liegt und welche Ursache dahinterstehen könnte. Deshalb ist es für die Behandlung entscheidend, Schmerzen genau zu beschreiben und ärztlich abklären zu lassen.
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Mehr InformationenEine Krebserkrankung kann auf unterschiedliche Weise Schmerzen verursachen. Tumoren können wachsen, auf Organe drücken oder Gewebe angreifen, das schmerzempfindlich ist. Auch Metastasen können Beschwerden auslösen, zum Beispiel wenn sie Knochen oder Nerven betreffen.
Zusätzlich können Krebstherapien selbst Schmerzen verursachen. Manche Medikamente führen zum Beispiel zu muskelkaterartigen Beschwerden. Auch Begleiterkrankungen kommen vor, etwa eine Gürtelrose, die besonders bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auftreten kann. Deshalb haben Menschen mit Krebs insgesamt häufiger Schmerzen als viele andere Menschen.
Viele Betroffene sind beunruhigt, wenn Schmerzen zunehmen. Sie fragen sich dann, ob der Krebs gewachsen ist oder ob sich neue Metastasen gebildet haben. Das kann eine mögliche Ursache sein, muss aber nicht der einzige Grund sein.
Wenn ein Schmerz schon länger an derselben Stelle besteht und innerhalb kurzer Zeit deutlich stärker wird, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Tumorerkrankung beteiligt ist. Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn ein ganz neuer Schmerz auftritt, also zum Beispiel plötzlich starke Bauchschmerzen entstehen, obwohl vorher eher Schmerzen im Brustbereich bestanden.
Neu aufgetretene Schmerzen sollten sorgfältig abgeklärt werden. Dabei geht es nicht darum, sofort vom Schlimmsten auszugehen, sondern darum, die Ursache zu verstehen und die passende Behandlung einzuleiten.
Schmerzen können sehr unterschiedlich sein. Für Ärzte ist nicht nur wichtig, wo es weh tut und wie stark der Schmerz ist. Entscheidend ist auch, wie sich der Schmerz anfühlt und wann er auftritt.
Bei der ärztlichen Einschätzung können folgende Fragen helfen:
Solche Informationen helfen dabei, die Ursache besser einzugrenzen. Sie können Hinweise geben, ob der Schmerz zum Beispiel aus dem Knochen, aus dem Bauchraum, aus Muskeln oder von Nerven kommt.
Knochenmetastasen können besondere Schmerzen verursachen. Der Knochen selbst ist nicht sehr schmerzempfindlich. Schmerzhaft ist vor allem die Knochenhaut. Wenn eine Metastase im Knochen wächst, kann Druck entstehen. Betroffene beschreiben solche Schmerzen häufig als bohrend oder drückend.
Typisch ist, dass die Schmerzen bei Belastung stärker werden und in Ruhe nachlassen. Wenn bei Menschen mit Krebs neue Knochenschmerzen auftreten, sollte deshalb eher einmal mehr als einmal zu wenig abgeklärt werden, ob eine Knochenmetastase vorliegt.
Dabei geht es nicht nur um die Schmerzbehandlung. Es muss auch geprüft werden, ob der Knochen so geschädigt ist, dass eine Bruchgefahr besteht. Wenn ein Knochen durch eine Metastase instabil wird, können Schutzmaßnahmen oder gezielte Behandlungen notwendig werden.
Wenn der Knochen zwar betroffen ist, aber keine unmittelbare Bruchgefahr besteht, können zunächst klassische Schmerzmittel eingesetzt werden. Bei dieser Schmerzform können auch einfache Schmerzmittel gut wirksam sein. Es muss nicht immer sofort ein morphinartiges Medikament notwendig sein.
Wenn die Schmerzen stärker sind oder eine Bruchgefahr besteht, kann eine Strahlentherapie helfen. Sie kann Knochenmetastasen oft gut schmerzlindernd behandeln. Außerdem kann sie zur Stabilisierung des Knochens beitragen, wobei dieser stabilisierende Effekt meist erst nach einigen Wochen eintritt.
Wenn ein Knochen bereits gebrochen ist oder eine sehr dringliche Situation besteht, kann auch eine Operation notwendig werden. Ziel ist dann, den Knochen zu stabilisieren, Schmerzen zu lindern und Beweglichkeit möglichst zu erhalten.
Zusätzlich können knochenschützende Medikamente eingesetzt werden. Sie sollen verhindern, dass Knochensubstanz durch die Tumorerkrankung weiter abgebaut wird. Welche Medikamente dafür infrage kommen, wird durch die behandelnde Onkologie entschieden.
Schmerzen im Bauchraum sind oft schwieriger zuzuordnen als Knochenschmerzen. Sie lassen sich häufig nicht genau lokalisieren. Betroffene beschreiben eher ein diffuses Drücken, Ziehen oder krampfartige Beschwerden.
Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Der Darm kann betroffen sein, dann treten Schmerzen häufig kolikartig auf, also in Wellen. Bei manchen Tumoren im Oberbauch können Schmerzen gürtelförmig nach hinten ausstrahlen. Schmerzen im Unterleib können mit der Harnblase oder dem Wasserlassen zusammenhängen, zum Beispiel wenn Wasserlassen die Beschwerden verändert oder nicht mehr gut funktioniert.
Bei Schmerzen aus dem Bauchraum wird geprüft, ob man an der Ursache etwas ändern kann. Wenn zum Beispiel Urin nicht richtig abfließen kann, muss eine Harnableitung ermöglicht werden. Das ist nicht nur für die Schmerzbehandlung wichtig, sondern auch, um weitere Probleme wie Nierenschäden oder Infektionen zu vermeiden.
Bei kolikartigen Bauchschmerzen wird geprüft, ob Nahrung und Flüssigkeit den Darm noch passieren können. Wenn es eine Blockade oder Verengung gibt, muss diese Ursache erkannt und möglichst behandelt werden.
Parallel zur Ursachenabklärung sollte eine wirksame Schmerztherapie eingeleitet werden. Niemand sollte ohne Schmerzbehandlung bleiben, nur weil noch weitere Untersuchungen ausstehen. Abklärung und Linderung sollten möglichst Hand in Hand gehen.
Bei kolikartigen Schmerzen können neben üblichen Schmerzmitteln auch krampflösende Medikamente helfen. Wenn Schmerzen zum Beispiel durch Tumoren in der Leber entstehen, kann zusätzlich ein abschwellendes Medikament sinnvoll sein, z.B. ein Kortisonpräparat wie Dexamethason.
Manche Betroffene beschreiben Schmerzen wie Muskelkater. Sie spüren Ziehen, Druck oder Beschwerden in der Muskulatur. Wenn nicht nur ein einzelner Muskel betroffen ist, sondern die Muskulatur insgesamt, kann dies mit Medikamenten der Tumortherapie zusammenhängen.
Solche Muskelschmerzen werden auch Myalgien genannt. Sie können sehr belastend sein und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Wenn der Verdacht besteht, dass eine Krebstherapie muskelkaterartige Schmerzen verursacht, sollten Medikamente nicht eigenständig weggelassen werden. Veränderungen der Tumortherapie sollten immer mit der behandelnden Onkologie besprochen werden.
Manchmal ist ein Medikament sehr wirksam gegen die Krebserkrankung. Dann kann es sinnvoll sein, Nebenwirkungen zunächst mit einer passenden Schmerztherapie zu behandeln, statt die Dosis sofort zu verringern oder das Medikament zu wechseln. Diese Entscheidung muss individuell getroffen werden.
Nervenschmerzen fühlen sich oft anders an als andere Schmerzformen. Sie können brennend, einschießend, elektrisch oder hexenschussartig sein. Manchmal strahlen sie aus, zum Beispiel vom Rücken bis ins Bein oder sogar bis in die Zehen.
Auch Taubheitsgefühle, Kälte- oder Wärmeempfindungen oder eine Überempfindlichkeit der Haut können Zeichen eines Nervenschmerzes sein. Manche Betroffene beschreiben das Gefühl, als sei ein Hautbereich wie bei einem Sonnenbrand empfindlich, obwohl äußerlich nichts Auffälliges zu sehen ist.
Nervenschmerzen entstehen, wenn Nerven geschädigt oder gereizt werden. Das kann passieren, wenn ein Tumor auf einen Nerv drückt oder ihn in Bedrängnis bringt. Auch eine Gürtelrose kann Nervenschmerzen auslösen. Diese Virusinfektion tritt bei Menschen mit Krebs nicht selten auf, weil die Erkrankung selbst oder die Behandlung das Immunsystem schwächen kann.
Für die Behandlung ist wichtig zu erkennen, ob Nerven am Schmerz beteiligt sind. Denn dann werden teilweise andere Medikamente eingesetzt als bei Schmerzen, die aus Knochen, Muskeln oder inneren Organen kommen.
Neben klassischen Schmerzmitteln gibt es spezielle Medikamente, die besonders bei Nervenschmerzen wirksam sein können. Dazu gehören Mittel, die ursprünglich aus der Neurologie kommen und zum Beispiel auch bei Epilepsie eingesetzt werden.
In ausgewählten Fällen können auch technische Verfahren infrage kommen. Wenn starke Nervenschmerzen anders nicht ausreichend behandelbar sind, kann zum Beispiel eine rückenmarksnahe Schmerztherapie mithilfe einer intrathekale Schmerzpumpe erwogen werden. Dabei wird ein Medikament über eine eingebaute Pumpe in den Bereich des Nervenwassers gegeben.
Solche Verfahren kommen nicht für alle Patienten infrage. Sie können aber in bestimmten Situationen sehr hilfreich sein, etwa wenn Tumoren im Unterleib oder Beckenbereich große Nervengeflechte betreffen. Die Entscheidung wird in spezialisierten Kliniken meist gemeinsam durch verschiedene Fachrichtungen getroffen, zum Beispiel Palliativmedizin, Anästhesie, Neurochirurgie und Onkologie.
Eine gute Schmerzbehandlung bedeutet nicht nur, ein Schmerzmittel zu geben. Zuerst sollte möglichst verstanden werden, woher der Schmerz kommt. Gleichzeitig darf die Schmerztherapie aber nicht unnötig verzögert werden.
Wenn eine Untersuchung erst später möglich ist, sollte die betroffene Person nicht ohne Behandlung bleiben. Ziel ist, Schmerzen rasch zu lindern und gleichzeitig die Ursache abzuklären. Beides gehört zusammen.
Schmerzen können Angst machen, den Schlaf stören, Bewegung verhindern und den Alltag stark einschränken. Eine passende Schmerztherapie kann deshalb viel zur Lebensqualität beitragen.
Je genauer die Schmerzart erkannt wird, desto gezielter kann behandelt werden. Knochenschmerzen, Bauchschmerzen, Muskelschmerzen und Nervenschmerzen haben unterschiedliche Ursachen und benötigen teilweise unterschiedliche Behandlungsansätze.
Wichtig ist, neue, zunehmende oder ungewohnte Schmerzen ärztlich anzusprechen. Das hilft, ernsthafte Ursachen rechtzeitig zu erkennen und Schmerzen möglichst wirksam zu lindern.
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